Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten übernimmt den ehemaligen „Kräutergarten“ | Kurier Dachau

Veröffentlicht am 12.10.2026 13:26

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten übernimmt den ehemaligen „Kräutergarten“

Unterzeichnung des notariellen Vertrages über die Übernahme von Teilflächen des ehemaligen „Kräutergartens“ durch die Stiftung Bayerische Gedenkstätten (von links): Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann, Notar Felix Odersky und Karl Freller (Stiftungsdirektor). (Foto: Stiftung Bayerische Gedenkstätten/Tobias Hase)
Unterzeichnung des notariellen Vertrages über die Übernahme von Teilflächen des ehemaligen „Kräutergartens“ durch die Stiftung Bayerische Gedenkstätten (von links): Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann, Notar Felix Odersky und Karl Freller (Stiftungsdirektor). (Foto: Stiftung Bayerische Gedenkstätten/Tobias Hase)
Unterzeichnung des notariellen Vertrages über die Übernahme von Teilflächen des ehemaligen „Kräutergartens“ durch die Stiftung Bayerische Gedenkstätten (von links): Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann, Notar Felix Odersky und Karl Freller (Stiftungsdirektor). (Foto: Stiftung Bayerische Gedenkstätten/Tobias Hase)
Unterzeichnung des notariellen Vertrages über die Übernahme von Teilflächen des ehemaligen „Kräutergartens“ durch die Stiftung Bayerische Gedenkstätten (von links): Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann, Notar Felix Odersky und Karl Freller (Stiftungsdirektor). (Foto: Stiftung Bayerische Gedenkstätten/Tobias Hase)
Unterzeichnung des notariellen Vertrages über die Übernahme von Teilflächen des ehemaligen „Kräutergartens“ durch die Stiftung Bayerische Gedenkstätten (von links): Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann, Notar Felix Odersky und Karl Freller (Stiftungsdirektor). (Foto: Stiftung Bayerische Gedenkstätten/Tobias Hase)

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten und die Stadt Dachau unterzeichneten den notariellen Vertrag über die Übernahme von Teilflächen des ehemaligen „Kräutergartens“ durch die Stiftung. Damit kann das Areal künftig in die Arbeit der KZ-Gedenkstätte Dachau einbezogen werden. Nach langjährigen Verhandlungen können nun die konkreten Vorbereitungen für die erinnerungskulturelle Erschließung als Erinnerungsort „Plantage“ beginnen.

Zusammenhänge sichtbar machen

„Mit dem Eigentumsübergang schaffen wir die Grundlage dafür, die Geschichte des ehemaligen sogenannten Kräutergartens künftig unmittelbar am historischen Ort zu vermitteln. Das Gelände steht beispielhaft für die Verbindung von NS-Herrschaft, Zwangsarbeit und wirtschaftlicher Ausbeutung. Diese Zusammenhänge sichtbar zu machen, ist ein wichtiger Auftrag der Gedenkstättenarbeit“, kommentierte Stiftungsdirektor Karl Freller den Termin. Er dankte dem Land Bayern, das mit dem Ministerratsbeschluss vom 12. Mai 2026 die Übernahme und ihre Finanzierung ermöglicht hat, sowie dem Bayerischen Amt für Denkmalpflege. Freller dankte zudem den Vertretern der Stadt Dachau und allen anderen Beteiligten für das zukunftsweisende Ergebnis der intensiven und langwierigen Verhandlungen. Nicht zuletzt dankte er den prominenten öffentlichen Unterstützern der Übertragung, Dr. Charlotte Knobloch und Herzog Franz von Bayern.

Ein Ort brutaler Zwangsarbeit

Die SS errichtete ab 1938/39 unmittelbar östlich des Häftlingslagers eine großflächige landwirtschaftliche Versuchs- und Produktionsanlage. Sie wurde von der SS-eigenen „Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“ betrieben. Heil- und Gewürzpflanzen sollten angebaut, erforscht und für eine vermeintlich „deutsche Volksmedizin“ nutzbar gemacht werden. Die SS bezeichnete das Gelände beschönigend als „Kräutergarten“; die Häftlinge selbst nannten es – mit Bezug zur Sklavenarbeit – „Plantage“. Von 1939 bis 1945 mussten dort Tausende Gefangene oft unter schwersten Bedingungen auf den Feldern, in den Gewächshäusern und bei der Verarbeitung der Erzeugnisse Zwangsarbeit verrichten.Unterernährung, unzureichende Kleidung, Schikanen und Misshandlungen machten die Zwangsarbeit lebensgefährlich. „Die vermeintliche Idylle eines Gartens hatte mit der Lebenswirklichkeit der Gefangenen nichts zu tun“, sagte die Leiterin der Gedenkstätte Dachau, Dr. Gabriele Hammermann. „Die erhaltenen Spuren erzählen von Zwangsarbeit, wirtschaftlichen Interessen der SS und einem System rücksichtsloser Ausbeutung. Diese Geschichte wollen wir künftig unmittelbar am historischen Ort vermitteln.“

Erhaltene Spuren und wissenschaftliche Grundlage

Auf dem Gelände sind unter anderem Relikte mehrerer lagerzeitlicher Gewächshäuser erhalten. Sie vermitteln einen Eindruck von der Dimension der SS-Versuchsgüter und zeigen, dass die Geschichte des Konzentrationslagers über das eigentliche Häftlingslager hinausreichte. Die historische Entwicklung des Areals wurde in zwei Studien von Dr. Anne Sudrow im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Dachau umfassend untersucht. Die Arbeiten, die unter den Titeln „Heil Kräuter Kulturen“ und „Saat der Gewalt“ im Verlag Vandenhoeck & Rupert erschienen sind, bieten eine wichtige Grundlage für die künftige Erschließung.

Schritt für Schritt zum Erinnerungsort „Plantage”

Das Areal soll künftig unter Einbeziehung der historischen Bezeichnung durch die Häftlinge als Erinnerungsort „Plantage“ in die Gedenkstättenarbeit einbezogen werden. Es erweitert den Blick auf das ehemalige Konzentrationslager um einen Ort, an dem die Verbindung von SS-Herrschaft, Zwangsarbeit, Landwirtschaft und wirtschaftlicher Ausbeutung besonders deutlich wird. In den kommenden Jahren soll dann das Gelände schrittweise für Besucherinnen und Besucher geöffnet werden: Vorgesehen sind unter anderem ein Rundweg und Informationsangebote zur Geschichte der „Plantage“. Dabei sollen die baulichen Relikte ebenso berücksichtigt werden wie die Perspektiven der KZ-Häftlinge.

Würdig an Häftlinge erinnern

Der Oberbürgermeister der Stadt Dachau, Florian Hartmann, begrüßte den Eigentumsübertrag: „Die Übertragung des sogenannten Kräutergarten-Areals an die Stiftung Bayerische Gedenkstätten macht den Weg frei für die Errichtung einer Gedenkstätte, die würdig an die dort zu Schwerstarbeit gezwungenen KZ-Häftlinge erinnert.Ich danke insbesondere Frau Dr. Charlotte Knobloch und Herzog Franz von Bayern für ihren unermüdlichen Einsatz. Als Teil der Stiftung kann das Areal nun zu einer würdigen Gedenkstätte gemacht werden.“

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