München ist der Kandidat für eine deutsche Bewerbung um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Baden-Baden setzte sich die bayerische Landeshauptstadt im Vergleich mit „KölnRheinRuhr“ durch. Das verkündete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Seite von DOSB-Chef Thomas Weikert auf der Bühne des Kurhauses.
Steinmeier beschrieb die Bewerbung als „Riesenchance für ganz Deutschland“. München galt vor der geheimen Abstimmung bereits als Favorit und siegte am Ende deutlich mit 91:50 Stimmen. Prüfer des DOSB hielten das Münchner Konzept bereits vor dem Votum für das geeignetste, wie aus einer Bewertung der Evaluierungskommission hervorging. Die Bewerbung Münchens schnitt bei der Fachprüfung etwas besser ab als die des Kontrahenten „KölnRheinRuhr“. Nachdem die DOSB-Evaluierungskommission Berlin weit hinter den beiden Mitbewerbern einordnete, zog die Hauptstadt am Donnerstag ihre Kandidatur noch vor der Abstimmung offiziell zurück.
Damit hat die bayerische Landeshauptstadt die Chance, erstmals seit 1972 Olympische Spiele wieder nach Deutschland zu holen. Seitdem gab es mehrere gescheiterte deutsche Bewerbungen um Sommer- und Winterspiele. Nun hofft der DOSB auf eine Rückkehr dieses weltweiten sportlichen Großereignisses nach Deutschland. Auf nationaler Ebene konnte München mit der Unterstützung der Stadt- und Landespolitik sowie einem Votum der Bevölkerung punkten, die sich in einer Befragung mit großer Mehrheit für eine Bewerbung ausgesprochen hatte.
Der DOSB und München müssen sich jetzt im internationalen Vergleich mit anderen Bewerbern in Stellung zu bringen und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Detailpläne und finanzielle Garantien vorlegen. Mit seinen ikonischen Wettkampfstätten wie dem Olympiapark und der weltweiten touristischen und wirtschaftlichen Strahlkraft Münchens will der DOSB überzeugen. Die erste Vorauswahl an Bewerberstädten für die Vergabe der Sommerspiele 2036 soll in einer sogenannten ersten Dialogphase bereits im März 2027 erfolgen. Eine zweite Phase der strategischen Verhandlungen mit den verbliebenen Kandidaten wird anschließend bis Ende 2028 laufen. Die finale Entscheidung des IOC soll schließlich Mitte 2029 getroffen werden.
Für die Stadt München ist nun Eile geboten, was die nächsten Schritte der Bewerbung anbelangt. Das vom IOC gewünschte „One Village Concept“ (Ein-Dorf-Konzept) beschreibt den planerischen Ansatz, das gemeinschaftliche Erlebnis der Olympischen Spiele durch kurze Wege zu den Sportstätten und die zentrale Unterbringung der Athletinnen und Athleten in einem einzigen, großen olympischen Dorf zu stärken. In München soll dieses zentrale Quartier im Nordosten der Stadt im Bereich Daglfing und Englschalking entstehen. Die Münchner Bewerbung legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und die Nutzung bestehender oder temporärer Sportstätten. Darunter ist auch das Grünwalder Stadion, das für Rugbyspiele vorgesehen ist. Fast die Hälfte aller sportlichen Wettbewerbe sollen direkt im historischen Olympiapark von 1972 stattfinden. (as)